Die Mundgesundheit von Hunden und Katzen wird im Alltag häufig unterschätzt. Dabei hat sie direkten Einfluss auf das Wohlbefinden und die allgemeine Gesundheit der Tiere. Schlechte Zähne können nicht nur Schmerzen verursachen, sondern auch Keime in innere Organe streuen und ernsthafte Folgeerkrankungen auslösen. Regelmäßige Zahnpflege zu Hause sowie halbjährliche Kontrollen beim Tierarzt sind daher eine wichtige Grundlage für ein gesundes Tierleben.
Warum Zahngesundheit mehr als Ästhetik ist
Probleme im Maul bleiben bei Hunden und Katzen häufig lange unbemerkt – die Tiere zeigen Schmerzen oft erst, wenn diese bereits stark sind. Entzündete oder eiternde Zähne können Bakterien in den Blutkreislauf abgeben und so Abszesse in der Leber, Nierenerkrankungen oder sogar eine Verdickung der Herzklappen verursachen. Bereits ein einziger betroffener Zahn kann ausreichen, um ein Tier ernsthaft krank zu machen.
Besonders bei älteren Tieren sollte die Zahngesundheit regelmäßig im Fokus stehen. Je älter der Vierbeiner ist, desto gründlicher sollten Zähne und Zahnfleisch kontrolliert werden. Sowohl zu Hause als auch in der tierärztlichen Praxis.
Zahnpflege zu Hause: Früh beginnen, konsequent bleiben
Wer früh beginnt, macht es Hund und Katze deutlich leichter: Welpen lassen sich spielerisch an die Zahnbürste gewöhnen, wenn die Eingewöhnung schrittweise und positiv gestaltet wird. Zahnpasten mit enzymatischem Reiniger unterstützen dabei die Reinigungswirkung – wichtig ist, ausschließlich Produkte zu verwenden, die speziell für Tiere entwickelt wurden.
Wer das Zähneputzen nicht täglich umsetzen kann, findet in Zusätzen für das Trinkwasser oder geeigneten Kauartikeln sinnvolle Ergänzungen. Diese ersetzen die mechanische Reinigung zwar nicht vollständig, können aber die Plaquebildung verlangsamen.
Entscheidend ist die Regelmäßigkeit, sporadische Pflege bringt wenig.
Wichtig: Kauartikel und Trinkwasserzusätze sind Ergänzungen, keine Alternativen zur tierärztlichen Zahnkontrolle.
Professionelle Zahnkontrolle: Was der Tierarzt leistet
Hunde und Katzen sollten in der Regel alle sechs Monate zur professionellen Zahnkontrolle beim Tierarzt vorgestellt werden. Die Untersuchung beginnt mit einer Beurteilung des Gebisses und des Zahnfleisches.
Die Behandlung findet in Narkose statt – notwendig, da die oft langwierige und mitunter schmerzhafte Prozedur für Hund und Katze ohne Betäubung nicht zumutbar wäre. Je nach Befund reichen die Maßnahmen von der Zahntaschenreinigung und Zahnsteinentfernung über das Polieren der Zahnoberflächen bis hin zur Entfernung einzelner oder mehrerer Zähne. Glatte Oberflächen beugen neuen Ablagerungen vor.
Bei bestimmten Zähnen, etwa den dreiwurzeligen Backenzähnen oder den Eckzähnen mit langen Wurzeln, können durch chronische Entzündungen bereits Granulome entstanden sein, also körnchenartige Gewebeneubildungen. Bei Katzen treten zudem häufig Zahnhalsveränderungen auf, die vom Zahnfleisch verdeckt werden und nur im Röntgenbild sichtbar sind.
Wichtig: Gewerbliche Anbieter sogenannter „professioneller Zahnreinigungen“ verfügen häufig nicht über die nötige medizinische Ausbildung. Die Österreichische Tierärztekammer weist ausdrücklich darauf hin, dass Zahnheilkunde bei Tieren gesetzlich dem tierärztlichen Fachpersonal vorbehalten ist – eine unsachgemäße Behandlung kann zu Zahnschmelzschäden, Verletzungen und ernsthaften gesundheitlichen Risiken führen.
Wissenswertes zum Gebiss von Hund und Katze
Ein paar Fakten helfen, die Zahngesundheit des eigenen Tieres besser einzuordnen:
• Hunde und Katzen kommen zahnlos zur Welt. Die Milchzähne brechen ab der dritten Lebenswoche durch.
• Der Zahnwechsel zum bleibenden Gebiss ist in der Regel mit sechs Monaten abgeschlossen. Hunde haben dann 42 Zähne, Katzen 30.
• Stehen die Zähne anatomisch korrekt, reinigen sich Futterreste zum Teil von selbst. Fehlstellungen begünstigen die Plaquebildung und können zu Zahnproblemen führen.
